Sonnets to Orpheus – sonnet 14

Sonnets to Orpheus – sonnet 14

We move among flowers, vine leaves, fruit.
They do not speak only of the years.
Out of the darkness a colourful display emerges
and perhaps bears the jealous glint

of those dead who invigorate the earth.
What do we know about their part in this?
It has long been their way to enrich
the clay with their generous marrow.

The only question now is: are they happy to do this? …
This fruit demands the arduous labour of slaves,
driven by us, by their masters?

Are these the souls who sleep at the roots
and favour us with their abundance,
this mingling of silent strength and kisses?

Rainer Maria Rilke
(translation by John Lyons)


Sonette 14

Wir gehen um mit Blume, Weinblatt, Frucht. 
Sie sprechen nicht die Sprache nur des Jahres. 
Aus Dunkel steigt ein buntes Offenbares 
und hat vielleicht den Glanz der Eifersucht

der Toten an sich, die die Erde stärken. 
Was wissen wir von ihren Teil an dem? 
Es ist seit langem ihre Art, den Lehm 
mit ihrem freiem Marke zu durchmärken.

Nun fragt sich nur : tun sie es gern? … 
Drängt diese Frucht, ein Werk von schweren Sklaven, 
geballt zu uns empor, zu ihren Herrn?

Sind sie die Herren , die bei den Wurzel schlafen, 
und gönnen uns aus ihren Überflüssen 
dies Zwischending aus stummer Kraft und Küssen?

Sonnets to Orpheus – Rainer Maria Rilke

Sonnet 2

And it was almost a girl that emerged

And it was almost a girl that emerged
from that happy coincidence of song and lyre
who shone clearly through her spring veil
and laid herself down to rest in my ear.
 
And she slept within me. And her sleep was all.
All the trees I’ve ever admired, those
palpable distances, those meadows known to me
and every moment that ever astounded me.
 
She slept the world. O God of song how did you
arrange that she should have no desire,
to be woken first? See, how she rose and slept.
 
Where is her death? O will you continue to invoke
this motif before your song is done? –
Where does it fade to within me? … Almost a girl …

Rainer Maria Rilke
(translation by John Lyons)

 

Und fast ein Mädchen war’s und ging hervor

Und fast ein Mädchen war’s und ging hervor
aus diesem einigen Glück von Sang und Leier
und glänzte klar durch ihre Frühlingsschleier
und machte sich ein Bett in meinem Ohr.
 
Und schlief in mir. Und alles war ihr Schlaf.
Die Bäume, die ich je bewundert, diese
fühlbare Ferne, die gefühlte Wiese
und jedes Staunen, das mich selbst betraf.
 
Sie schlief die Welt. Singender Gott, wie hast
du sie vollendet, dass sie nicht begehrte,
erst wach zu sein? Sieh, sie erstand und schlief.
 
Wo ist ihr Tod? O, wirst du dies Motiv
erfinden noch, eh sich dein Lied verzehrte? —
Wo sinkt sie hin aus mir?… Ein Mädchen fast ….